Betriebliche Krankenversicherung 2023: Mehr Gesundheit für den Arbeitsmarkt

Betriebliche Krankenversicherung Titelbild

Geprägt vom demografischen Wandel sowie dem anhaltenden Fachkräftemangel, steht der gegenwärtige Arbeitsmarkt vor großen Herausforderungen. Die aktuelle Situation geht Hand in Hand mit einer hohen Fluktuationsrate. Eine Umfrage von Gallup (Gallup Engagement Index 2021) zeigte, dass 42% der Befragten innerhalb der nächsten drei Jahre den Job wechseln wollen. Angesichts dieses Hintergrundes wird die Stärkung der Arbeitgebermarke immer wichtiger. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung von Gesundheit im beruflichen Kontext stetig zu. Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) stellt dabei einen aufstrebenden Trend dar, der die Gesundheitsfürsorge weiter in den Fokus rückt. Sie trägt nicht nur zur Zufriedenheit und Bindung der Mitarbeitenden bei, sondern auch zur Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität. Angesichts der steigenden Gesundheitskosten und des anhaltenden Fachkräftemangels eröffnet die bKV Unternehmen die Möglichkeit, sich als verantwortungsbewusste und attraktive Arbeitgebende zu positionieren.

Die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt

4,4% – Das entspricht dem Bevölkerungswachstum Deutschlands seit 1990. Zum Vergleich, die Weltbevölkerung wuchs im gleichen Zeitraum um 48,7%. Spürbar macht sich die stagnierende Bevölkerung vor allem auf dem deutschen Arbeitsmarkt, denn durch den demografischen Wandel, schrumpft auch die Zahl der Erwerbstätigen. Zu der immer älter werdenden Bevölkerung kommt zudem der schon seit Jahren vorherrschende Fachkräftemangel.

Laut einer Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft wird die Zahl der Fachkräfte von 43,5 Millionen im Jahr 2020 auf 38 Millionen im Jahr 2040 zurückgehen.

Hinzu kommt die aktuell hohe Fluktuationsrate. Die hohe Bereitschaft zum Jobwechsel hinterlässt nicht nur Personallücken im Unternehmen, sondern kann zudem hohe Kosten verursachen. Etwa 35% des jährlichen Gehalts des ehemaligen Angestellten können für die Aufwendungen der Neueinstellung von Personal und die Folgen des Austrittes dieses Mitarbeitenden anfallen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es daher vorteilhafter und attraktiver für Arbeitgebende, Mitarbeitende zu binden, anstatt neue zu gewinnen.

Im vorherrschenden „war for talents“ sind qualifizierte Fachkräfte zu einer wertvollen, aber knappen Ressource geworden. Dies unterstreicht nochmals, dass eine starke Abreitgebermarke für Unternehmen unerlässlich wird, um Angestellte zu gewinnen und zu halten.

Gesundheit im beruflichen Kontext

Die steigende Bedeutung einer starken Arbeitgebermarke erhöht den Druck auf Unternehmen, aktiv daran zu arbeiten, ihre Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen. Standardleistungen wie kostenlose Getränke oder Mitarbeiterrabatte finden Jobsuchende heute bei den meisten Arbeitgebenden. Unternehmen sind gefragt, sich vom Wettbewerb abzuheben und ihre Mitarbeiterbenefits da anzusetzen, wo sie das Bedürfnis von Arbeitnehmenden ansprechen. Ein wachsender Trend in diesem Bereich ist die Einführung einer betrieblichen Krankenversicherung (bkV).

Die Gesundheit spielt nicht nur im privaten, sondern zunehmend auch im beruflichen Leben eine immer wichtigere Rolle. Laut einer Studie der Süddeutschen Krankenversicherung empfanden bereits 2012 46% der Deutschen den Gesundheitsschutz für wichtiger als einen Firmenwagen. Die Befragung der HanseMerkur aus dem Jahr 2020/2021 bestätigte den Trend der steigenden Bedeutung der Gesundheit im beruflichen Kontext: 88% der Befragten gaben an, dass ihnen ihre Gesundheit wichtig sei und 82% begrüßten es, wenn der Arbeitgebende sich um die Gesundheit der Mitarbeitenden kümmert. Nicht zuletzt begünstigt durch die Corona-Pandemie gab es daher seitens vieler Unternehmen einen regelrechten Ansturm auf betriebliche Krankenversicherungen.

Die Kosten von Gesundheit

In den letzten Jahren sind die Kosten im Gesundheitswesen kontinuierlich gestiegen. Laut einer Studie der Continentalen Krankenversicherung stiegen die Ausgaben pro GKV-Versicherten innerhalb von fünf Jahren um 30%. Auch wenn die Ausgaben der privaten Haushalte und Organisationen im Gesamtvergleich im Jahr 2020 13% der Gesundheitsausgaben für Deutschland ausmachten, sind die Ausgaben der Arbeitgebenden mit einem Anteil von nur 4% vergleichsweise niedrig (Statistisches Bundesamt: Gesundheitsausgabenrechnung).

Angesichts dieser fortschreitenden Kostenexplosion im Gesundheitswesen stellt sich die Frage, wie die Politik die Weichen für eine kostendeckende Finanzierung stellen kann. Ein Blick zurück in das Jahr 2004 verdeutlicht bereits erfolgte Leistungskürzungen durch das GKV-Modernisierungsgesetz, wie der Nichterstattung der Kosten von beispielsweise nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel, Sehhilfen und Brillen sowie beim Zahnersatz. Dies bedeutet höhere Gesundheitsausgaben für Arbeitnehmende bei gleichzeitig reduziertem Leistungsangebot. Es wird jedoch immer deutlicher, dass die Gesundheit der Angestellten einen entscheidenden Einfluss auf die Produktivität und den Erfolg eines Unternehmens hat. Angesichts dieser Herausforderungen steigt die Bedeutung eines gesunden Arbeitsumfeldes und präventiver Maßnahmen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine zusätzliche Absicherung, wie beispielsweise eine betriebliche Krankenversicherung (bKV), zunehmend an Attraktivität. Arbeitgebende übernehmen in der Regel 100% der Beitragszahlung für die abgeschlossenen betriebliche Krankenversicherungen ihrer Belegschaft. Dies schafft nicht nur finanzielle Entlastung für die Arbeitnehmenden, sondern auch ein Mehr an Gesundheitsvorsorge. Zudem erkennt der Gesetzgeber seit 2020 diese zusätzliche Absicherung durch steuerfreie Beiträge an.

Die steigende Popularität der bKV zeigt sich in beeindruckenden Zahlen. Seit 2015 hat der Versicherungsbestand um über 77% zugenommen, während vergleichbare PKV-Zusatzversicherungen im gleichen Zeitraum nur um 11% gestiegen sind. Die COVID-19-Pandemie hat diesen Trend noch verstärkt. Die Zahl der Versicherten mit einer bKV oder betriebliche Pflegeversicherung stieg von 2020 auf 2021 um 54% auf 1,6 Millionen, und 2021 boten 39% mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern eine solche Versicherung an als im Vorjahr.

Wie funktioniert eine betriebliche Krankenversicherung?

Eine betriebliche Krankenversicherung ist eine zusätzliche Form der Gesundheitsvorsorge, die von Unternehmen für ihre Mitarbeitenden angeboten wird. Sie ergänzt die gesetzliche Krankenversicherung und kann je nach Bedarf verschiedene Leistungen umfassen. Die bKV kann maßgeschneidert aus verschiedenen Bausteinen zusammengestellt werden, um den individuellen Anforderungen von Mitarbeitenden und Arbeitgebenden gerecht zu werden.

Als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung konzipiert, zielt sie darauf ab, medizinische Leistungen zu decken, die von den gesetzlichen Krankenkassen entweder gar nicht oder nur teilweise übernommen werden. Dabei kann es sich um Zusatzversicherungen für Zahnersatz, Vorsorgeuntersuchungen, alternative Heilmethoden oder Einzelzimmer im Krankenhaus handeln. Die bKV schließt somit Lücken in der Versorgung der gesetzlich Versicherten.

„Das Wachstum bei der betrieblichen Krankenzusatzversicherung zeigt die Bereitschaft der Arbeitgebenden, sich für die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu engagieren. Es ist aber auch Ausdruck für den immer stärker werdenden Wettbewerb um Fachkräfte.“

Die Vorteile der betrieblichen Krankenversicherung

In einer Zeit, in der die Gesundheit am Arbeitsplatz immer wichtiger wird, ist die bKV ein wertvolles Instrument, um das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu fördern. Sowohl Arbeitgebende als auch Arbeitnehmende profitieren von den erweiterten Leistungen und der verbesserten Gesundheitsvorsorge. Die bKV trägt zur Mitarbeiterbindung, Zufriedenheit und Produktivität bei und unterstützt Unternehmen dabei, ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement umzusetzen.

Vorteile für Arbeitgebende

  • Qualifizierte Fachkräfte: Attraktive Gesundheitsleistungen locken qualifizierte Mitarbeitende an und verschaffen einen Wettbewerbsvorteil.
  • Positives Betriebsklima: Die bKV zeigt Unterstützung im Krankheitsfall, fördert die Mitarbeitermotivation und Identifikation mit dem Unternehmen.
  • Langfristige Mitarbeiterbindung: Die Gesundheitsfürsorge stärkt das Vertrauen und erhöht die Treue zum Unternehmen.
  • Förderung der Mitarbeitergesundheit: Eine Investition in die Gesundheit der Belegschaft führt zu weniger Krankheitsfällen, höherer Produktivität und geringeren Engpässen.
  • Steuervorteile: Die betriebliche Krankenversicherung stellt eine nachhaltige Alternative zur Gehaltserhöhung dar, die zudem steuerlich absetzbar ist.

Vorteile für Arbeitnehmende

  • Krankenzusatzversicherung: Der Arbeitgebende finanziert umfangreiche Gesundheitsleistungen. Arbeitnehmende erhalten Zugang zu wichtigen Extras wie beispielsweise freier Krankenhauswahl, Zahnersatz und Vorsorgemaßnahmen.
  • Sofortiger Schutz ohne Gesundheitsprüfung: Vorerkrankungen oder laufende Behandlungen stellen keine Hürde für die Aufnahme in die bKV dar.
  • Vereinfachter Zugang zu Gesundheitsleistungen: Eine schnellere Abwicklung von Arztbesuchen und Behandlungen wird ermöglicht.
  • Präventive Gesundheitsmaßnahmen: Die bKV fördert die Früherkennung von Krankheiten.

FAQ

Die bKV zeigt, dass das Unternehmen sich um die Gesundheit seiner Mitarbeiter kümmert, steigert die Zufriedenheit und bindet Mitarbeiter langfristig.

In einem wettbewerbsintensiven Umfeld lockt eine starke Arbeitgebermarke qualifizierte Fachkräfte an und erhöht die Mitarbeiterbindung, was besonders mit Blick auf den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel, von großer Bedeutung ist.

Die bKV fördert Mitarbeiterbindung, Motivation und Produktivität. Sie bietet umfangreiche Gesundheitsleistungen und ist steuerlich absetzbar.

Die bKV ergänzt die gesetzliche Krankenversicherung und deckt Leistungen ab, die von den Kassen nicht oder teilweise übernommen werden.

Die bKV trägt zur Bewältigung der steigenden Gesundheitskosten bei, entlastet Arbeitnehmer finanziell und fördert gleichzeitig die Gesundheitsvorsorge.

Die bKV bietet eine umfassende Gesundheitsvorsorge und ist in Zeiten des Fachkräftemangels ein attraktives Angebot, das sowohl Arbeitgeber:innen als auch Arbeitnehmer:innen anspricht.

Quelle: Prof. Dr. Volker Nürnberg, Daniela Schultz und Tina Fröhlich „bKV-Boom in Zeiten des Fachkräftemangels und der GKV-Finanzierungskrise“ (Zeitschrift für Versicherungswesen 04, 2023)

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